Um Sponsoren zu finden, muss ein Amateur- oder Semi-Pro-Team zuerst sponsorfähig werden: regelmäßige
Aktivität, ein echtes Publikum, auch wenn es klein ist, und ein sauberes Image. Danach spricht es
Partner in seiner Größenordnung an (lokale Unternehmen, Hardware-Marken, Affiliate-Codes,
Sachleistungen), schickt ihnen eine kurze Sponsorenmappe mit überprüfbaren Zahlen, bietet Gegenleistungen
an, die es wirklich erbringen kann, und hält die Vereinbarung schriftlich fest. Dieser Guide erklärt jeden
Schritt und die Warnzeichen, auf die du achten solltest.
Was Sponsoren von einem Esport-Team erwarten
Ein Sponsor unterstützt ein Team nicht aus Sympathie: Er bezahlt dafür, ein Publikum zu erreichen und
seinen Namen mit einem Image zu verbinden. Bevor er zusagt, stellt er sich vier Fragen.
- Wer folgt euch? Passung zählt mehr als Größe: Eine kleine, lokale oder stark auf ein Spiel ausgerichtete Community kann für einen Laden aus der Region oder eine Nischenmarke genau richtig sein. Du solltest wissen, wo dein Publikum ist (Twitch, YouTube, TikTok, X, Discord), woher es kommt und wie alt es ist, sofern die Plattformen dir diese Daten liefern.
- Ist das Team aktiv? Gespielte Turniere, Streams oder Inhalte in einem festen Rhythmus: Ein Sponsor finanziert Aktivität, kein Logo. Ein Team, von dem man seit Monaten nichts gehört hat, bietet keinerlei Sichtbarkeit.
- Passt das Image? Wie sich die Spieler im Match, im Stream und in den sozialen Medien verhalten, fällt auf die Marke zurück. Toxische Kommentare, Cheating oder öffentlich ausgetragener Streit reichen, um einen Partner zu vergraulen.
- Ist das Team zuverlässig? Schnell antworten, Zusagen einhalten und über das Geleistete berichten zählt genauso viel wie Ergebnisse. Für kleine Sponsoren ist das oft das entscheidende Kriterium.
Realistische Sponsoren für Amateur- und Semi-Pro-Teams
Die großen Marken hinter Profi-Teams suchen Reichweiten, die nur wenige Amateur-Teams bieten können.
Fang mit Partnern an, die in deiner Reichweite liegen: Ein gut betreutes erstes Sponsoring macht das
nächste deutlich leichter.
- Lokale Unternehmen: PC-Läden, Gaming-Bars oder -Cafés, Restaurants, der Arbeitgeber eines Spielers. Sie wollen Sichtbarkeit in ihrer Stadt statt bundesweiter Reichweite, und ein persönliches Treffen funktioniert oft besser als eine E-Mail.
- Peripherie- und Hardware-Marken: Mäuse, Tastaturen, Headsets, Stühle, Monitore. Auf diesem Niveau gibt es meist Hardware oder einen Rabatt statt Geld, häufig über ein Creator- oder Ambassador-Programm.
- Affiliate-Codes: Das Team erhält eine Provision auf Verkäufe über seinen Code oder Link. Dafür braucht es keine große Reichweite, aber die Einnahmen hängen komplett davon ab, was deine Community kauft: Sieh es als Zubrot, nicht als Budget.
- Sachleistungen: Trikots, Server-Hosting, Turniergebühren, Anreise oder Unterkunft für eine LAN, Zugang zu einem Trainingsraum. Für ein junges Team sind das oft die nützlichsten Deals.
- Schulen, Vereine und Kommunen: Ein Schul- oder Uni-Team kann seine Hochschule oder Schule um Unterstützung bitten; ein als Verein organisiertes Team kann sich bei seiner Gemeinde nach der Förderung lokaler Vereine erkundigen.
Die Sponsorenmappe vorbereiten
Die Mappe (auch Pitch-Deck oder Media-Kit genannt) umfasst nur wenige Seiten. Wer wenig Zeit hat, soll in
zwei Minuten verstehen, wer ihr seid und was ihr anbietet.
- Das Team: Spiel, Niveau, Region, Roster und Rolle jedes Spielers, Ziele für die Saison.
- Die echte Reichweite: Follower pro Plattform, durchschnittliche Aufrufe oder Zuschauer über einen genannten Zeitraum, mit Screenshots der Statistiken, die die Plattformen liefern. Nenne Durchschnittswerte, nicht deinen besten Peak.
- Die Ergebnisse: gespielte Turniere und Platzierungen, mit einem Link zu den Brackets oder offiziellen Tabellen.
- Der Kalender: die Wettbewerbe, LANs und Content-Highlights der kommenden Monate. Genau das kauft der Sponsor.
- Die Gegenleistungen: wozu sich das Team verpflichtet, mit Zahlen (siehe unten).
- Der Kontakt: eine feste Ansprechperson mit einer eigenen E-Mail-Adresse des Teams.
Runde deine Zahlen nie nach oben: Öffentliche Kanal- und Kontostatistiken lassen sich leicht überprüfen,
und ein Sponsor, der eine aufgeblähte Reichweite entdeckt, kommt nicht wieder. Gekaufte Follower und
Viewbots verstoßen zudem gegen die Regeln von Plattformen wie Twitch.
Die Seite deines Teams auf Seek Team kann als Schaufenster dienen, das du in der Mappe verlinkst: Sie
bündelt Roster, Teamvorstellung, Online- und LAN-Ergebnisse sowie einen Bereich, in dem du deine
Sponsoren nennst. Um zu sehen, wie sich andere Teams präsentieren,
sieh dir die Teams auf Seek Team an.
Sponsoren ansprechen: wen und wie
- Fang bei deinem Netzwerk an: die Läden, in denen eure Spieler einkaufen, ihre Arbeitgeber, die Kontakte ihrer Familien. Dort ist ein erstes Ja am leichtesten zu bekommen.
- Finde die richtige Ansprechperson: bei einer Marke das Marketing- oder Partnerschaftsteam oder das Bewerbungsformular des Creator-Programms, falls es eines gibt. Eine Nachricht an den Kundenservice landet selten bei der richtigen Stelle.
- Schreib jede Nachricht individuell: Erkläre, warum genau diese Marke (ihre Kunden ähneln deinem Publikum, ihr spielt schon mit ihrer Hardware, ihr seid aus derselben Stadt). Massenmails erkennt man sofort.
- Stelle eine konkrete Anfrage: „ein Satz Trikots für die Saison“ ist leichter zuzusagen als „Wollt ihr uns sponsern?“.
- Hak einmal nach, höflich, ein bis zwei Wochen später. Kommt keine Antwort, geh zum nächsten Kontakt.
- Geh auf Events: LANs, Messen und lokale Turniere sind der beste Ort, um die Partner deiner regionalen Szene kennenzulernen.
Eine erste Nachricht passt in wenige Zeilen:
„Hallo, ich leite [Team], ein [Spiel]-Team aus [Stadt], das in [Wettbewerb] antritt. Unser Publikum,
vor allem [Zielgruppe], ähnelt Ihrer Kundschaft. Wir bereiten uns auf [Event] vor und suchen einen
Partner für [konkreter Bedarf]. Im Gegenzug bieten wir [Gegenleistungen]. Unsere Mappe hängt an: Hätten
Sie kurz Zeit, darüber zu sprechen?“
Was du Sponsoren als Gegenleistung bietest
- Sichtbarkeit: Logo auf Trikots, Stream-Overlay, Bannern und Match-Grafiken; Erwähnung des Partners im Stream und in Posts.
- Inhalte: ein Video, ein ehrlicher Produkttest, das Produkt im Einsatz auf LANs.
- Ein eigener Rabattcode des Teams: Damit kann der Sponsor messen, was ihm die Partnerschaft bringt.
- Präsenz: eine Einladung zu einem Event, ein Treffen mit den Spielern, eine Aktion im Laden eines lokalen Partners.
- Ein Abschlussbericht: am Ende des Zeitraums eine Übersicht über das Geleistete, mit Zahlen. Das ist das stärkste Argument für eine Verlängerung.
Versprich weniger und halte alles: Jede Gegenleistung braucht eine Zahl (Posts, Streams, Events) und muss
für dein Team realistisch sein.
Die Vereinbarung schriftlich festhalten
Selbst bei reinen Sachleistungen vermeidet eine schriftliche Vereinbarung Missverständnisse. Ein
einfacher Sponsoringvertrag regelt mindestens:
- Vertragsparteien und Laufzeit: wer sich verpflichtet (der Verein, der Captain, die Spieler), ab wann und bis wann.
- Leistungen des Sponsors: Betrag, Hardware, Zahlungs- oder Liefertermine.
- Leistungen des Teams: die Liste der Gegenleistungen, mit Zahlen.
- Nutzung von Namen, Logos und Bildern: was jede Seite verwenden darf, wo und wie lange.
- Exklusivität, falls vereinbart: beschränkt auf eine Produktkategorie und auf die Vertragslaufzeit.
- Ausstieg: wie die Vereinbarung vorzeitig beendet werden kann und was passiert, wenn ein Spieler das Team verlässt.
- Wohin das Geld fließt: idealerweise auf ein Konto auf den Namen des Teams oder Vereins, nie ohne Zustimmung aller auf das Privatkonto eines Spielers.
Ist ein Spieler minderjährig, müssen seine Eltern bzw. Erziehungsberechtigten allem zustimmen, was ihn
betrifft. Und wenn das Team einen Sponsor in sozialen Medien oder im Stream bewirbt, muss es das klar
kenntlich machen: In Deutschland muss Werbung als solche erkennbar sein, etwa durch die Kennzeichnung
„Werbung“ oder „Anzeige“, und auch andere Länder haben eigene Regeln. Auf Twitch blendet das Tool zur
Offenlegung von Markeninhalten im Stream-Manager einen Hinweis für die Zuschauer ein. Dieser Guide ist
keine Rechtsberatung: Sobald nennenswerte Beträge im Spiel sind, lass die Vereinbarung prüfen.
Warnzeichen
- Der „Sponsor“, der dich zahlen lässt: Pflichtkauf von Trikots oder Paketen, Aufnahmegebühr für ein „Programm“, eine Verkaufsquote mit deinem Code. Ein Sponsor bringt Geld oder Hardware, er verlangt sie nicht.
- Ein Rabatt, der als Sponsoring verkauft wird: Ein Code, der deiner Community Rabatt gibt, ohne Provision oder Hardware für das Team, ist kostenlose Werbung für die Marke.
- Zu weit gefasste Exklusivität: kein anderer Partner in irgendeiner Branche oder über mehrere Jahre, ohne angemessene Gegenleistung.
- Abtretung von Rechten: eine Klausel, die dem Sponsor den Teamnamen, das Logo oder die Bildrechte der Spieler überträgt oder deren Nutzung ohne Enddatum erlaubt.
- Nichts Schriftliches, kein erkennbares Unternehmen: kein Firmenname, keine Website, Kontakt nur per Privatnachricht, Bezahlung in Kryptowährung oder „Credits“.
- Riskante Produkte: Sportwetten, Casinos, spekulative Kryptowährungen. Ihre Werbung ist gesetzlich eingeschränkt, Twitch etwa verbietet die Bewerbung riskanter Glücksspiele, und ein Teil der Spieler und Zuschauer kann minderjährig sein.
- Die Bitte, den Deal zu verschweigen: Ein Sponsor, der verlangt, gesponserte Inhalte nicht zu kennzeichnen, schiebt dir das rechtliche Risiko zu.
Bevor du Sponsoren anschreibst: ein aktives, stabiles Team
Sponsoren achten genauso auf Beständigkeit wie auf das Niveau: Ein Roster, das jeden Monat wechselt,
abgebrochene Turniere oder stille Social-Media-Kanäle senden das falsche Signal. Bevor du einen Partner
suchst, stabilisiere dein Lineup (ist ein Platz frei,
sieh dir die Spieler an, die ein Team suchen)
und halte deine Aktivität sichtbar: Turniere,
regelmäßige Scrims,
Content. Ein Team, das spielt, postet und Wort hält, hat die Hälfte seiner Sponsorenmappe schon geschrieben.